Andreas war ein halbes jahr in Nepal und hat sich sozial engagiert. Das ist sein Erfahrungsbericht:
Ich war vor dem Abflug gespannt auf Nepal. Vor allem haben mich die Leute interessiert, mit denen ich in Kontakt komme. Werden sie nett sein? Wie kann ich mich verständigen mit ihnen? Solchen Fragen interessierten mich.
Ich machte mir auch einige Gedanken darüber wie sich der hinduistische Glaube in der Gesellschaft bemerkbar machte. Wie zeigt sich dieser im Alltag? Hinzu stellte ich mich freudig der Herausforderung, die Verhaltensregeln aus dieser Glaubensrichtung zu erlernen und anzuwenden. Ich hoffe, ich werde das packen!
Im Projekt war ich gespannt auf die Arbeit, die mich erwartete. Ich dachte, wie meine Arbeit wohl aussehen würde. Obes da auch strukturiert zu und her ging.
Gespannt war ich aber sehr wohl auf die menschlichen Schicksale, die mich im Waisenhaus erwarten würden. Und wie ich als Person darauf reagieren kann. Ob ich was bewirken kann. Und vor allem ob ich diese Armut in diesem fremden Land verkraften kann.
Die ersten zwei Wochen waren sehr hilfreich. Ich lebte bei einer Nepali Familie etwas außerhalb von Kathmandu. Dort lernte ich die Umgangsformen, die in diesem Land herrschten kennen. Hinzu lernte ich noch ein wenig Nepali. Dies war für meinen ganzen Aufenthalt sehr wichtig. Denn nicht alle Leute konnten Englisch sprechen. Daher war man manchmal auf ein wenig Nepali angewiesen. Viele hatten auch Freude, dass man etwas ihre Sprache sprach. Ich denke, ich hatte dadurch einen näheren Zugang zu den Einheimischen.
Mein typischer Tagesablauf war so:
In der Schule:
7:30 Uhr: Tagwache
8:30 Uhr: Essen Dhaal Bhaat (nach 10 minütigem Fussmarsch)
10:00 – 13:00: Schulunterricht
13:00 – 13:45: Mittagspause
14:00 – 16:00: Schulunterricht
Nachher hatte ich Feierabend. Meistens spazierte ich zum naheliegenden Internetcafe oder erkundete die Gegend.
19:30: Nachtessen Dhaal Bhaat
21:30: Nachtruhe
Im Waisenhaus:
7:00: Tagwache Milchthe trinken
8:30 – 10:30: Arbeiten im Waisenhaus
11:00: Essen Dhaal Bhaat
12:00 – 15:00 Mittagspause
15:00 – 18:30: Arbeiten im Waisenhaus
20:00: Nachtessen Dhaal Bhaat
21:30: Nachtruhe
Ich habe erfahren, was es heisst in einem anderen Schulsystem zu arbeiten. Der Fokus im Lernen liegte in Kokhana nämlich auf dem Auswendiglernen. Das Verständnis war nicht im Vordergrund. Für mich war das noch eine Umstellung. Die nepalesische Kultur sieht auch vor, dass die Schüler mit Stockschlägen erzogen werden. Ich konnte mich in dieser Hinsicht nicht an die Nepalesen anpassen.
HInzu war spannend zu erfahren wie sich der hinduistische Glaube im Schulalltag zeigte. Die linke Hand ist unrein. D.h. sie wird kaum benützt. So sollte man niemanden mit dieser Berühren, vor allem aber kein Essen berühren.Es war interessant, dass die Putzfrau von der tieferen Kaste nie am Tisch der Lehrer gegessen hatte. Sie sass abseits und ass nicht zur selben Zeit.
Im Waisenhaus prägte mich die Erfahrung, dass mit wenig Geld einem die Hände gebunden sind. Es fehlte, wie gesagt, vor allem am Geld. Und dies hatte zur Folge, dass die Kinder und deren Umfeld einfach vernachlässigt wurden. Ich als Voluntär konnte etwas Abwechslung in den Alltag der Kinder bringen. Aber um die Situation zu ändern müsste man das Problem grundlegend anpacken.
Es war für mich auch schockierend, dass es um Leben oder Tod geht. Jeden Tag stellte sich die Frage wie lange der Reis noch ausreichen würde. Hinzu kam das immense Problem des schmutzigen Wassers. Kein sauberes Wasser, keine gesunden Kinder. Diese Bilder waren sehr prägend.
Hingegen werde ich aber die fröhlichen Kinesaugen nicht vergessen. Sie versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Ich erlebte die Einheimischen als sehr interessierte und offene Leute. Sie wollten wissen wer in ihrem Dorf neu arbeitete. So war ich als Weisser auch die Attraktion. Denn viele von ihnen hatten noch nie einen Weissen gesehen. Die neugierigen Blicke waren manchmal schön und manchmal auch etwas nervend. Es war halt schwierig anonym zu bleiben.
Die Nepalesen / innen erlebte ich sehr gastfreundlich. So sass ich einmal in einem Restaurant als mich ein Nepales ansprach. Nach einem kurzen Gespräch sass ich auf der Rückseite seines Motorrades. Wir fuhren zu ihm nach Hause. Dort stellte er mir seine Familie vor und wir tranken einen Reisschnaps zusammen.
Für mich waren sie auch sehr hilfsbereit. So halfen sie jederzeit, wenn man den Weg nicht fand. Oder im öffentlichen Bus zeigten sie einem auch immer die Richtung. Nicht nur eine Person, nein, der ganze Bus kümmerte sich um das Anliegen der ausländischen Personen. Danke.
Was hast Du in Deiner Freizeit im Auslandsjahr unternommen? (z.b. abends, am Wochenende, mit anderen Freiwilligen)
In meiner Freizeit erkundete ich oft die Umgebung von Kokhana. Dabei schnallte ich meine Wanderschuhe an und packte den Lunch in den Rucksack. Die Wanderwege führten durch viele Reisfelder. Ich genoss die Natur. Ich war nämlich froh nicht nach Kathandu gehen zu müssen. Ich bevorzugte die Ruhe.
Oft ging ich auch mit Lehrerkollegen /innen nach der Schule auf einen kleinen Spaziergang. Ich wurde sogar ab und zu von diesen nach Hause eingeladen. Dort wurde dann ein Tee getrunken und Fotos angeschaut.
Als wir einmal fünf Tage frei hatten in der Schule, besuchten wir einen Nationalpark im Süden des Landes. Es war der Chitawan Park. Das ist ein Dschungel. Dort konnte ich einen Trek mitmachen, Elefantenreiten und eien Flussfahrt durch Krokodilgewässer wagen. Das Highlight war aber, das Elefantenwaschen. Ich sass auf einem Elefanten, welchere mich nass spritzte und versuchte von seinem Rücken zu werfen. Ich hatte keine Chance gegen den grossen Riesen und fiel natürlich kopfüber ins Wasser. Das war lustig.
Die Freizeit verbrachte ich meistens mit einem deutschen Kollegen, der auch an dieser Schule arbeitete. Wir hatten nicht die Absicht uns mit anderen Voluntär zu treffen. Wir genossen die Natur und vor allem den Kontakt mit den Einheimischen. Das war spannend für uns. Daher habe ich oben “mittel” bei Kontakt mit zu anderen Freiwilligen angekreuzt.
Ich habe sehr viele schöne und lustige Momente in meinem Aufenthalt gehabt. Es ist für mich schwierig einen Moment herauszuheben.
Aber doch, mir kommt etwas spezielles in den Sinn.Als meine Arbeit in der Schule vorüber war, wurde ich verabschiedet. Ich bekam rote Blumen von der Lehrerschaft geschenkt. Hinzu wurde ich mit einem roten Reispunkt auf der Stirn verabschiedet. Die Klassen haben mir selber gebastelte Papier- und Stoffblumen geschenkt. Wow, das hat mich sehr gefreut. Sie haben also meine Arbeit und Person geschätzt. Das war wirklich ein schöner Moment.
Besonders gut hat mir die Freundlichkeit der Mitarbeitenden von Praktikawelten gefallen. Sie waren aufgestellt und freundlich.
Es war für mich auch positiv zu wissen, dass ich immer fragen durfte. Auch wenn die Frage nicht immer die wohlüberlegteste war. Die Mitarbeitenden behielten die Nerven. Das fand ich toll.
Die Anfragen per email wurden in kurzer Zeit beantwortet. Danke.
Die Informationen von Praktikawelten waren ausführlich und hilfreich. Die Mitarbeiter/innen konnte diese auch kompetent weitervermitteln.
Für mich war nicht immer klar, wer für meine Person zuständig ist. Das habe ich manchmal etwas vermisst. So standen auf den Briefen verschiedene Personen. Ich wusste dann nicht, an wen ich jetzt die Frage schicken solle. Dies hat mich manchmal etwas verunsichert.
Ich habe nichts zu beanstanden an meine Betreuungsperson vor Ort. Sie machte einen guten Job.
So war sie immer erreichbar per Natel oder per email. Ich durfte jederzeit bei Fragen zu ihr gelangen.
In diesen fünf Wochen an der Schule besuchte sie mich zweimal. Das war ausreichend. Dort erkundete sie sich über mein Wohlbefinden und beantwortete Fragen.
Am meisten schätzte ich, dass sie mich nach meiner Nachfrage an ein Waisenhaus vermitteln konnte. Sie wollte eigentlich zuerst nicht, da sie dieses Programm nicht mehr anbieten. Sie tat es aber auf meinen Wunsch ihn. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ich konnte dadurch weiter, spannende Erfahrungen für mein Studium sammeln.
Wie war Deine Einführung in das Auslandsjahr durch das Team vor Ort?
Das erste Gespräch vor Ort war sehr gut. Sie erkundete sich, wie viel ich schon über Nepal wusste. Dieses Wissen korrigierte und ergänzte sie. Das gab bereits eine erste Sicherheit in diesem noch unbekannten Land.
In den ersten zwei Wochen hatte ich jeden Tag Unterricht. Ich lernte viel über das Land und die Leute. Dies hat mir sehr viel gebracht. So wurde ich schrittweise an die fremde Kultur herangebracht. Auch durch den spannenden Napali Sprachkurs entdeckte man das Land auf eine andere Weise. Dies hatten die Betreuungspersonen wirklich gut und mit viel Geduld und Humor gemacht. Merci.
Es war eine sehr gute Entscheidung einen solchen Aufenthalt zu machen. Erstens für mein Studium. Ich konnte viele Sachen lernen und vergleichen, die ich jetzt ins weitere Studium einfliessen lassen kann. Es war interessant zu sehen, was Soziale Arbeit in Nepal heisst. Dort musste ich mich mit ganz anderen Problemen herumschlagen als in der Schweiz. Dies war spannend.
Zweitens konnte ich viel profitieren für meine Person. Durch solch einen Einsatz in einem Projekt, konnte ich nämlich das Land und die Leute von einer anderen Seite kennen lernen. Ich konnte die Leb- und Denkweise der Nepalesen hautnah erleben. So konnte ich viel davon lernen und mit nach Hause nehmen.
Ich sah auch wie schwierig es ist für eine Person nach europäischen Standard dort zu leben. Es ist hart und eindrücklich. Es war nicht immer zuckerschlecken angesagt. Ich denke diese Erfahrungen haben mich persönlich weitergebracht. Es erscheint mir nicht alles selbsverständlich zu sein. Man lernt die kleinen Sachen im Leben wieder zu schätzen.
Als Tipp an andere Freiwillige: seid offen und habt Respekt der anderen Kultur gegenüber!
Auslandsjahr-Veranstalter: Praktikawelten
